Fahnenschwanz-Kängururatte

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Fahnenschwanz-Kängururatte

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Taschenratten (Geomyidae)
Unterfamilie: Heteromyinae
Tribus: Dipodomyini
Gattung: Dipodomys
Art: Fahnenschwanz-Kängururatte
Wissenschaftlicher Name
Dipodomys spectabilis
Merriam, 1890

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Die Fahnenschwanz-Kängururatte (Dipodomys spectabilis) zählt innerhalb der Familie der Taschenratten (Geomyidae) zur Gattung Dipodomys. Im Englischen wird die Art Banner-tailed Kangaroo Rat oder Phillips's Kangaroo Rat genannt. Es sind 6 Unterarten bekannt (Best, 1988; Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Die Fahnenschwanz-Kängururatte ist innerhalb der Gattung die größte Art. Zu den sympatrisch vorkommenden Arten oder Arten mit denen die Fahnenschwanz-Kängururatte verwechselt werden kann sind die Wüstenkängururatte (Dipodomys deserti) und die Nelsons Kängururatte (Dipodomys nelsoni). Alle anderen Arten der Dipodomys können aufgrund der geringeren Größe unterschieden werden. Das Verbreitungsgebiet der Fahnenschwanz-Kängururatte und der Wüstenkängururatte überschneiden sich im US-Bundesstaat Arizona. Die Nelsons Kängururatte kann aufgrund der Größe, des kleineren Schädels und der helleren Färbung unterschieden werden (Best, 1988).

Fossile Funde

Fossile Funde aus dem späten Pleistozän und dem frühen Holozän stammen aus dem Isletra Cave in New Mexiko, USA (Best, 1988).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Fahnenschwanz-Kängururatte weist je nach Geschlecht und Unterart unterschiedliche Maße auf. Im folgenden sind Durchschnittswerte aufgeführt. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 342,2 mm, eine Körperlänge von 142,3 mm, eine Schwanzlänge von 199,2 mm, eine Hinterfußlänge von 52,1 mm, eine Ohrlänge von 15,8 mm, eine Schädellänge von 45,7 mm, eine Schädeltiefe von 15,3 mm, eine Schädelbreite von 29,3 mm sowie ein Gewicht von 126,3 g. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 338,0 mm, eine Körperlänge von 142,0 mm, eine Schwanzlänge von 195,9 mm, eine Hinterfußlänge von 51,8 mm, eine Ohrlänge von 15,7 mm, eine Schädellänge von 45,2 mm, eine Schädeltiefe von 15,2 mm, eine Schädelbreite von 29,0 mm sowie ein Gewicht von 119,6 g. Die Hinterfüße verfügen über 4 Zehen, die Hinterbeine sind deutlich länger als die Vorderbeine. Der Schwanz ist lang und mit kurzen Haaren versehen. Distal sind die Schwanzhaare deutlich länger. Das Fell ist dorsal hellbraun gefärbt. Der Schädel ist ausgesprochen groß, die Zähne sind mittelgroß und massiv. Im Zuge der Entwicklung der bipedalen Fortbewegung waren zahlreiche Anpassungen notwendig. Hier sind insbesondere der lange Schwanz, die langen Hinterbeine, der verkürzte Hals und der große Kopf zu nennen. Der große Kopf ist dorsal deutlich abgeflacht. Die Bullae, also die blasenartigen Strukturen im Bereich des Schädels, sind deutlich erweitert. Die großen Augen sitzen weit oben, seitlich am Schädel. Deutlich hinter den Augen liegen die kleinen, rundlich geformten Ohren. Das Fell hat eine durchschnittliche Länge von 15,3 mm und eine Haarbreite von 0,035 bis 0,045 mm. Das Baculum erreicht eine Länge von 16,7 mm, eine Breite von 2,3 mm und eine Höhe von 2,6 mm an der Basis (Best, 1988).

Lebensweise

Fahnenschwanz-Kängururatten sind das ganze Jahr über aktiv. Eine Winterwuhe wird demnbach nicht gehalten. Für die kalte Jahreszeit legen die Tiere jedoch umfangreiche Nahrungsvorräte an. Fahnenschwanz-Kängururatten sind überwiegend in der Nacht aktiv, am Tage ruhen die Tiere in ihren Erdbauten. Nur im Sommer sind die Tiere auch am Tage aktiv. Die Reviergröße liegt zwischen 412 und 717 m². In einer Nacht legt ein Individuum bis zu 350 m zurück. Der größte Teil der aktiven Zeit entfällt auf die Nahrungssuche. Zur Fellpflege nehmen Fahnenschwanz-Kängururatten häufig Sandbäder. Auch wenn die Tiere selten ins Wasser gehen, so gelten sie als gute Schwimmer. Die Art lebt strikt einzelgängerisch. Bei Gruppen handelt es sich ausschließlich um Weibchen mit ihrem Nachwuchs. Die Reviere der Männchen überlappen sich mit Revieren mehrerer Weibchen. Die Erdbauten befinden sich zwar in offenem Gelände, die Ein- und Ausgänge befinden sich jedoch immer unter dichter Vegetation (Best, 1988).

Unterarten

Verbreitung und Lebensraum

Fahnenschwanz-Kängururatte
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Fahnenschwanz-Kängururatte

Die Fahnenschwanz-Kängururatte kommt im südlichen Nordamerika vor. In Mexiko ist die Art in den Bundesstaaten Aguascalientes, Chihuahua, San Luis Potosí, Sonora und Zacatecas anzutreffen, in den USA kommt die Fahnenschwanz-Kängururatte in Arizona, New Mexico und Texas vor. Besiedelt werden wüstenartiges Grasland und Landschaften mit vereinzelten Büschen und Sträuchern (IUCN, 2012). Zu den typischen Pflanzengattungen der Art zählen insbesondere Akazien (Acacia), Mimosen (Mimosa), Prosopis, Bouteloua, Palmlilien (Yucca), Opuntien (Opuntia), Aristida, Cenchrus, Hirsen (Panicum), Gutierrezia, Salzkräuter (Salsola), Sporobolus, Sporobolus und Larrea (Best, 19882).

Biozönose

Sympatrie

Fahnenschwanz-Kängururatten leben in Sympatrie mit zahlreichen anderen kleinen Säugern wie beispielsweise die Merriams Kängururatte (Dipodomys merriami), die Ord-Kängururatte (Dipodomys ordii), Seiden-Taschenmäuse (Perognathus) wie Perognathus flavus und Perognathus amplus, Rauhaar-Taschenmäuse (Chaetodipus) wie Chaetodipus baileyi, Chaetodipus hispidus und Chaetodipus penicillatus, Ziesel (Spermophilus) wie das Rundschwanzziesel (Spermophilus tereticaudus) und das Fleckenziesel (Spermophilus spilosoma), Antilopenziesel (Ammospermophilus) wie das Harris-Antilopenziesel (Ammospermophilus harrisii), Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus) wie das Audubon-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus audubonii), Grashüpfermäuse (Onychomys) wie Onychomys leucogaster, Amerikanische Buschratten (Neotoma) wie Neotoma albigula und Neotoma micropus, Weißfußmäuse (Peromyscus) wie die Weißfußmaus (Peromyscus leucopus), die Hirschmaus (Peromyscus maniculatus) und die Kaktusmaus (Peromyscus eremicus), Flachland-Taschenratten (Geomys) wie die Flachland-Taschenratte (Geomys bursarius), Kaninchenratten (Reithrodon), Baumwollratten (Sigmodon hispidus), Mäuse (Mus) wie die Hausmaus (Mus musculus) sowie Echte Hasen (Lepus) wie der Eselhase (Lepus californicus) (Best, 1988).

Prädatoren

Prädator: der Großohr-Kitfuchs (Vulpes macrotis)
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Prädator: der Großohr-Kitfuchs (Vulpes macrotis)

Zu den natürlichen Feinden der Fahnenschwanz-Kängururatten zählen der Kojote (Canis latrans), der Großohr-Kitfuchs (Vulpes macrotis), der Silberdachs (Taxidea taxus), der Rotluchs (Lynx rufus) sowie Eulen (Strigiformes) wie der Virginia-Uhu (Bubo virginianus) und die Schleiereule (Tyto alba) (Best, 1988).

Ernährung

Fahnenschwanz-Kängururatten ernähren sich von grünen Planzenteilen (42%) und Sämereien (37%) sowie zu einem kleinen Teil von Larven (4%) von Schmetterlingen (Lepidoptera). Zu den bevorzugten Futterpflanzen zählen Meerträubel (Ephedra), Korbblütler (Asteraceae) wie Gutierrezia, Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) wie Kressen (Lepidium), Süßgräser (Poaceae) wie Sporobolus crypandrus, Aristida und Bouteloua. Insbesondere im Frühjahr und im Herbst legen die Tiere in ihren Bauten Nahrungsvorräte an (Best, 1988).

Fortpflanzung

Fahnenschwanz-Kängururatten erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 300 Tagen. Die Paarungszeit in den natürlichen Verbreitungsgebieten ist nicht saisonal, erstreckt sich demnach über das ganze Jahr. Zu den meisten Geburten kommt es zwischen Oktober und November. In einer Saison kommt es meist zu 2, seltener auch zu 3 Würfen. Die Paarung erfolgt im Revier der Weibchen. Die Weibchen bringen nach einer Tragezeit von 22 bis 27 Tagen 2 bis 3 Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt in der Wohnhöhle des Weibchens. Das Nestinnere ist mit weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. Der Nachwuchs weist ein durchschnittliches Geburtsgewicht von 7,8 Gramm auf, ein gesamter Wurf rund 18,7 g. Die Jungen sind bei der Geburt bereits weit entwickelt. Im Alter von 2 Wochen erreichen die Jungen eine Gesamtlänge von 90 bis 93 mm, eine Schwanzlänge von 38 mm, eine Hinterfußlänge von 24 mm sowie ein Gewicht von 12,6 bis 13,3 g (Best, 19882).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Fahnenschwanz-Kängururatten gehören heute zu den wenig bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie NT, Near Threatened, geführt. Im ökologioschen Gleichgewicht spielen Fahnenschwanz-Kängururatten eine durchaus große Rolle, da sie zum einen für die Verbreitung von Saatgut verantwortlich sind, zum anderen kleinen und größeren Raubtieren als Beute dienen. In der Nähe des Menschen kann sich die Art zu einer Ernteplage entwickeln. Die größte Gefahr geht heute von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume und der Lebensraumfragmentierung aus. Auch heftige Regenfälle und Unwetter können die Populationen nachhaltig schädigen (Best, 1988; IUCN, 2012).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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