Jungferninsel-Frosch

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Jungferninsel-Frosch

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Nacktlurche (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Eleutherodactylidae
Unterfamilie: Eleutherodactylinae
Gattung: Antillen-Pfeiffrösche (Eleutherodactylus)
Art: Jungferninsel-Frosch
Wissenschaftlicher Name
Eleutherodactylus schwartzi
Thomas, 1966

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Jungferninsel-Frosch (Eleutherodactylus schwartzi) zählt innerhalb der Familie Eleutherodactylidae zur Gattung der Antillen-Pfeiffrösche (Eleutherodactylus). Im Englischen wird der Jungferninsel-Frosch Virgin Islands Coqui genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Jungferninsel-Frosch ist klein und schlank. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 34 Millimetern. Der Rücken weist eine gelbliche bis bräunliche Färbung mit einer leichten Punktierung oder Sprenkelung auf. Am Hinterkopf zeigt sich eine dunkle quadratische Zeichnung, interocular und suprascapular erkennt man ebenfalls dunkle Teilbereiche. Ferner sind ein sehr undeutlicher, diesiger Streifen von der Flanke bis oberhalb der Paukenhöhle und ein dunkler Streifen postocular bis zur Mitte des Körpers sichtbar. Die Zügel sind mit dunklen Schattierungen versehen, die verdeckten Oberflächen der Oberschenkel und der Leiste weisen eine rötliche bis hellgelbe Färbung auf. Der Bauch ist weißlich und mit einem grünlichen Farbton versehen. Ferner ist der Bauch einheitlich mit schwachen Tupfen bedeckt, manchmal sind diese Tupfen auch nicht vorhanden. Die Iris ist golden gefärbt. Die Haftscheiben der Zehen sind mäßig ausgeprägt.

Lebensweise

Die Männchen halten sich in der Nähe der terrestrischen Bromeliengewächse auf, wo man auch während der Paarungszeit die Rufe der Männchen wahrnehmen kann. Die Eier befinden sich in den Bromeliengewächsen. Der Schlupf sowie die Fürsorge der jungen Frösche spielen sich ebenfalls in den Bromeliengewächsen ab.

Verbreitung

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Jungferninsel-Frosch

Der Jungferninsel-Frosch kommt nur noch auf den Britischen Jungferninseln vor (Inselgruppe der Kleinen Antillen in der Karibik), und zwar auf Tortola (Taubeninsel) und auf Virgin Gorda. Auf der Amerikanischen Jungferninsel Saint John ist der Jungferninsel-Frosch schon ausgestorben. Er hält sich vorwiegend im trockenen Buschland in terrestrischen Bromeliengewächsen der Gattung Tillandsien (Tillandsia) auf. In Waldgebieten ist der Jungferninsel-Frosch nicht zu finden. Der Jungferninsel-Frosch ist bis zu 227 m NN über dem Meeresspiegel anzutreffen.

Ernährung

Der Jungferninsel-Frosch ernährt sich überwiegend von Gliederfüßern (Arthropoda).

Fortpflanzung

Solange die Luftfeuchtigkeit hoch genug ist, werden die Eier direkt auf die Blätter der terrestrischen Bromeliengewächse abgelegt.
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Jungferninsel-Frosch
Der Jungferninsel-Frosch zeichnet sich durch eine direkte Entwicklung aus. Aus den Eiern schlüpfen voll entwickelte kleine Frösche und umgehen somit das Stadium einer Kaulquappe. Diese Anpassung ist weitgehend für ihren ökologischen und evolutionären Erfolg verantwortlich. Außergewöhnlich ist auch bei dieser Art, dass das Männchen die Eier bewacht, um sie vor Prädatoren wie Schnecken (Gastropoda), Vögel (Aves), Schlangen (Serpentes), Ratten (Rattus) sowie Mungos und sogar vor der eigenen Spezies zu beschützen. Manchmal sitzt das Männchen auf den Eiern, um die Feuchtigkeit von seinem Körper direkt auf die Eier zu übertragen. Die Neugeborenen sind fast eine Miniatur-Nachbildung der Erwachsenen, wenn auch mit kleinen, verkümmerten Schwänzen, die aber innerhalb von ein paar Stunden schnell resorbiert werden. Die jungen Frösche bleiben noch für ein paar Tage in der Nähe der Erwachsenen und werden von den Erwachsenen heftig gegen Eindringlinge verteidigt.

Gefährdung und Schutz

Die Entwicklung der Infrastruktur für den Tourismus sowie menschliche Siedlungen und der Straßenbau sind eine große Bedrohung für den Jungferninsel-Frosch. Des Weiteren setzen ihm die Ratten (Rattus) und Mungos zu, die auf der Insel eingeführt wurden und ebenfalls eine Bedrohung darstellen.
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Bis der Jungferninsel-Frosch ausstarb, lebte er in einem geschützten Bereich auf Saint John. Das Aussterben dieser Spezies kann ebenso gut auch im National Park von Virgin Gorda eintreten. Deshalb ist es für die Art auf Tortola und Virgin Gorda erforderlich, für einen besseren Schutz des Lebensraumes einzutreten und es ist auch eine Notwendigkeit, eine konsequente Kontrolle invasiver Prädatoren durchzuführen. Weitere Anstrengungen sind erforderlich, um den aktuellen Status der Population dieser Spezies zu ermitteln. Es gibt bis heute keine aktuellen Informationen über den Populations-Status der Art. In der Roten Liste der IUCN wird der Jungferninsel-Frosch als stark gefährdet geführt (endangered), weil das Vorkommen der Population weniger als 5000 km² und die Fläche der Belegung weniger als 500 km² beträgt. Ferner ist die Verbreitung des Jungferninsel-Frosches stark fragmentiert und der aktuelle Rückgang in der Qualität der Lebensräume auf den Britischen Jungferninseln ist noch nicht abgeschlossen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3

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