Ord-Kängururatte

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Ord-Kängururatte

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Taschenratten (Geomyidae)
Unterfamilie: Heteromyinae
Tribus: Dipodomyini
Gattung: Dipodomys
Art: Ord-Kängururatte
Wissenschaftlicher Name
Dipodomys ordii
Woodhouse, 1853

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Ord-Kängururatte (Dipodomys ordii) zählt innerhalb der Familie der Taschenratten (Geomyidae) zur Gattung Dipodomys. Im Englischen wird die Art Ord's Kangaroo Rat genannt. Es sind zahlreiche Unterarten bekannt (Garrison & Best, 1990; Wilson & Reeder, 2005).

Der Gattungsname stammt aus dem Griechischem und bedeutet di = "zwei", podos = "Fuß" und myos = "Maus". Grund für diesen Gattungsnamen ist die bipedale Fortbewegungsmethode. Die Art wurde zu Ehren von Georg Ord, dem Präsidenten der Academy of Natural Sciences of Philadelphia, benannt (Garrison & Best, 1990).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Fossile Funde einer Ord-Kängururatte stammen aus dem mittleren und späten Pleistozän und dem frühen Holozän. Die Funde stammen im Wesentlichen aus Texas, Kansas, Colorado, Idaho, South Dacota und New Mexico (Garrison & Best, 1990).

Erkennung und Unterschiede

Die Ord-Kängururatte ist eine mittelgroße Taschenratte, der Schwanz ist relativ kurz. Die Füße enden jeweils in 5 Zehen, die Hinter- und Vorderbeine sind an die saltatoriale, also springende oder hüpfende Fortbewegung angepasst. Von der Golfküsten-Kängururatte (Dipodomys compactus) kann die Ord-Kängururatte durch den längeren und buschigerenSchwanz unterschieden werden. Der ventrale Streifen des Schwanzes, der sich bis zur Schwanzspitze erstreckt, ist zudem dunkler gefärbt und weniger unterbrochen. Alle anderen sympatrisch vorkommenden Verwandten der Dipodomys haben an den Hinterfüße jeweils nur 4 Zehen (Garrison & Best, 1990).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Ord-Kängururatte weisen je nach Unterart und Geschlecht unterschiedliche Maße auf. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 242,6 mm, eine Körperlänge von 114,2 mm, eine Schwanzlänge von 128,5 mm, eine Hinterfußlänge von 39,1 mm, eine Ohrlänge von 12,5 mm, eine basale Schädellänge von 22,1 mm, eine maximale Schädellänge von 39,4 mm, eine Schädeltiefe von 13,1 mm, eine Schädelbreite von 24,7 mm, eine Jochbeinbreite von 18,6 mm und ein Gewicht von 52 g. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 241,5 mm, eine Körperlänge von 114,0 mm, eine Schwanzlänge von 127,3 mm, eine Hinterfußlänge von 38,6 mm, eine Ohrlänge von 12,4 mm, eine basale Schädellänge von 21,9 mm, eine maximale Schädellänge von 39,1 mm, eine Schädeltiefe von 13,0 mm, eine Schädelbreite von 24,6 mm, eine Jochbeinbreite von 18,5 mm und ein Gewicht von 52 g. In den westlichen Regionen des Verbreitungsgebietes ist die Ord-Kängururatte insgesamt kleiner. Weibchen bleiben zudem kleiner als Männchen. Das Fell der Ord-Kängururatte ist je nach Unterart hellbraun, rötlichbraun oder schwärzlich gefärbt. Die Haare erreichen eine Länge von 11,3 mm und einen Durchmesser von 0,03 bis 0,05 mm. Der Schädel ist durch ein relativ kurzes Rostrum geprägt. Das Fersenbein ist mit 7,5 mm relativ lang und rund 1 mm breit. Das Volumen des Mittelohres liegt bei 0,53 cm³. Der Magen ist rundlich geformt und erreicht im vollem Zustand eine Größe von 17 mal 14 mm. Der Dünndarm erreicht eine Länge von 237 mm, der Dickdarm eine Länge von 131 mm (Garrison & Best, 1990; Novak, 1999).

Lebensweise

Die Ord-Kängururatte ist hauptsächlich nachtaktiv und hält keine Winterruhe. Die Art ist demnach das ganze Jahr über aktiv. Männchen sind insgesamt aktiver als Weibchen. Die Tiere leben in umfangreichen Tunnelsystemen. Meist werden die Tunnel und Wohnkammern selbst gebraben, mitunter auch von anderen Tieren übernommen. Die Reviergröße liegt zwischen 0,5 und 1,5 ha. Je Hekrar kann sich eine Siedlungsdichte von 53 Individuen/ha ergeben (Garrison & Best, 1990).

Verbreitung und Lebensraum

Die Vorkommen der Art erstrecken sich in Nordamerika vom südlichen Alberta und Saskatchewan, Kanada, südlich bis nach Hidalgo, Mexiko. In den Vereinigten Staaten werden die Bundesstaaten Arizona, Kalifornien, Colorado, Idaho, Kansas, Montana, Nebraska, Nevada, New Mexico, North Dakota, Oklahoma, Oregon, South Dakota, Texas, Utah, Washington und Wyoming besiedelt. Die Ord-Kängururatte besiedelt je nach Vorkommen höchst unterschiedliche Habitate. besiedelt werden beispielsweise Grasland, sandige Hügel und lichte Wälder, in denen Wacholder (Juniperus), Eichen (Quercus) oder Kiefern (Pinus) dominieren. Zu den typischen Pflanzenn im Lebensraum der Tiere zählen Wüsten-Beifuß (Artemisia tridentata), Sarcobatus vermiculatus, Melden (Atriplex), Yuccas (Yucca) und Prosopis sp. Ord-Kängururatten sind im Flachland und in Höhenlagen bis in Höhen von etwa 1.350 m über NN anzutreffen (IUCN, 2012; Garrison & Best, 1990).

Biozönose

Sympatrie

In dem großen Verbreitungsgebiet lebt die Ord-Kängururatte in Lebensraum- oder Nahrungskonkurrenz zahlreichen anderen kleinen Säugetieren. Hier sind insbesondere die Panamint-Kängururatte (Dipodomys panamintinus), die Meißelzahn-Kängururatte (Dipodomys microps), die Merriams Kängururatte (Dipodomys merriami), die Hirschmaus (Peromyscus maniculatus), Grashüpfermäuse (Onychomys) wie Onychomys leucogaster, Microdipodops pallidus, die Dunkle Kängurumaus (Microdipodops megacephalus), der Townsend-Ziesel (Spermophilus townsendii), Amerikanische Buschratten (Neotoma) wie Neotoma lepida, die Rocky-Mountains-Wühlmaus (Microtus montanus), Amerikanische Erntemäuse (Reithrodontomys) wie Reithrodontomys megalotis, die die Hausratte (Rattus rattus), der Fleckenziesel (Spermophilus spilosoma), der Dreizehnstreifenziesel (Spermophilus tridecemlineatus), die Präriewühlmaus (Microtus ochrogaster), Rauhaar-Taschenmäuse (Chaetodipus) wie Chaetodipus intermedius, die Flachland-Taschenratte (Geomys bursarius) und Baumwollratten (Sigmodon hispidus) (Garrison & Best, 1990).

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden werden der Kojote (Canis latrans), der Großohr-Kitfuchs (Vulpes macrotis), der Langschwanzwiesel (Mustela frenata), die Schleiereule (Tyto alba), der Virginia-Uhu (Bubo virginianus), die Waldohreule (Asio otus) und die Kaninchen-Eule (Athene cunicularia) gerechnet (Garrison & Best, 1990).

Ernährung

Ord-Kängururatten ernähren sich von grünen Planzenteilen und Sämereien sowie zu einem kleinen Teil von Larven und Pilzen. Gefressen werden je nach Unterart und Vorkommen die Samen oder grünen Pflanzenteile von beispielsweise Cycloloma sp., Strophostyles helvola, Kassien (Cassia sp.), Wanzensamen (Corispermum sp.), Sonnenblumen (Helianthus), Aristida, Paspalum , Ambrosien (Ambrosia), Croton , Prosopis juliflora, Kanadische Schwarz-Pappeln (Populus deltoides), Sorghumhirsen (Sorghum), Klee (Trifolium) und Süßgräser (Poaceae) wie Andropogon hallii. Tierische Kost stellt einen Anteil von bis zu 18%. Tinkwasser nehmen die Tiere in Form von Flüssigkeit zu sich. Insbesondere im Frühjahr und im Herbst legen die Tiere in ihren Bauten Nahrungsvorräte an (Garrison & Best, 1990).

Fortpflanzung

Ord-Kängururatten erreichen die Geschlechtsreife im Alter von etwa 83 Tagen. Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich in den meisten Regionen über durchschnittlich 6,8 Monate. Die Paarungszeit korreliert in der Regel mit der Regenzeit und dem Vorhandensein grüner Vegetation. In einer Saison kommt es zu meist 2 Würfen. Die Tragezeit erstreckt sich über 28 bis 32 Tagen, ein Wurf besteht durchschnittlich aus 1 bis 6 (3,5) Jungen. Die Jungtiere haben ein durchschnittliches Geburtsgewicht von 7,0 g, eine Gesamtlänge von etwa 74,4 mm, eine Schwanzlänge von 23,3 mm und eine Hinterfußlänge von 16,6 mm. Die Jungen sind bei der Geburt nackt und blind. Die Haut ist pinkfarben und leicht transparent. Die Lebenserwartung liegt in Gefangenschaft bei 7,5 Jahre. Die Lebenserwartung in Freiheit ist unbekannt (Garrison & Best, 1990).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Ord-Kängururatten gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Im ökologioschen Gleichgewicht spielen Ord-Kängururatten eine große Rolle, da sie zum einen für die Verbreitung von Sämereien verantwortlich sind, zum anderen kleinen und größeren Raubtieren als Beute dienen (IUCN, 2012).

Unterarten

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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