Johann Baptist von Spix

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Johann Baptist von Spix

Johann Baptist Ritter von Spix (* 9. Februar 1781 in Höchstadt an der Aisch - † 1826 in München) war ein deutscher Naturwissenschaftler. Er war Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Naturforscher Leopoldina sowie erster Direktor der Zoologischen Staatssammlung München.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung

Spix wurde als Sohn eines Baders geboren, der Vater starb, als Spix elf Jahre alt war. Spix ging in Bamberg zur Lateinschule, wurde bereits mit 14 Jahren zum Doktor der Philosophie promoviert und studierte anschließend Theologie in Würzburg. Vorlesungen von Prof. Friedrich Wilhelm Josef Schilling begeisterten ihn jedoch für die Naturgeschichte, vorauf er das Theologiestudium abbrach und ein Medizinstudium aufnahm; 1806 promovierte er als Doktor der Medizin und war danach zunächst als praktischer Arzt in Bamberg tätig. 1808 ging er dann unter dem Einfluss des Anatomie-Professors Samuel T. Soemmering (welcher zuvor 1804 einem Ruf an die Bayerische Akademie in München folgte) nach München. Dort wurde Spix mit der Neuordnung des Naturalienkabinetts der Beyerischen Akademie beauftragt. In Würzburg lernte Spix die Grundlagen der Anatomie, Zoologie und Naturphilosophie kennen. Zur Erweiterung seiner Kenntnisse auf dem Gebiet der naturwissenschaftlichen Methoden ging Spix mit einem Stipendium der Akademie nach Paris, wo er von Georges Cuvier und Jean-Baptiste Lamarck betreut wurde. Er nutzte die Räumlichkeiten des Muséum national d'Historie naturelle für sein Studium und beschäftigte sich weiterhin unter anderem mit der Systematik der Affen. Er unternahm Sammelaktionen in der Normandie und ging außerdem nach Italien, wo er Materiel für die Münchener Sammlung der Akademie und spätere Publikationen sammelte.

Zoologische Staatssammlung München

1811 wurde Spix von Maximilian I. Josef, erster König von Bayern, zum Konservator der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und Adjunkt der zoologisch-zootomischen Sammlung berufen. Die zoologisch-zootomische Sammlung wurde aus dem allgemeinen naturwissenschaftlichem Kabinett ausgegliedert und Spix unterstellt. Darin kann die Gründung der Zoologischen Staatssammlung München gesehen werden, welche 2011 ihr 200-jähriges Jubiläum verzeichnete. Die Zoologische Staatssammlung München ist auch heute noch eine der weltweit größten und wichtigsten zoologischen Sammlungen; folgende Bereiche sind derzeit vertreten: Wirbeltiere (Herpetologie, Ichthyologie, Ornithologie, Mammalogie), Insekten (Coleoptera, Diptera, Hemiptera, Hymenoptera, Insecta varia, Lepidoptera) und Übrige Wirbellose (Arthropoda varia, Evertebrata varia, Mollusca). Sie beherbergt schätzungsweise 20 Millionen
Cephalogenesis, 1815.
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Cephalogenesis, 1815.
Inventareinheiten, wovon 90% auf Insekten fallen, sowie die weltweit größte Sammlung von Schmetterlingen (10 Millionen Individuen). Des Weiteren weist die Zoologische Staatssammlung München eine DNA-Datenbank der bayerischen Tierwelt auf, welche seit 2009 ausgebaut wird und im September 2011 circa 6000 Arten erfasste. Spix forschte und publizierte unter anderem über den Roten Seestern (Echinaster sepositus) und den Medizinischen Blutegel (Hirudo medicinalis). 1815 veröffentlichte er 'Cephalogenesis', eine Übersicht zur Deutung und Entstehung von Schädeln. Weitere, spätere Werke behandeln ornithologische Themen, so etwa ein umfangreicher Bildband.

Expedition nach Brasilien

1815 hatte die Bayerische Akademie eine Reise nach Brasilien vorbereitet, doch die allgemeine wirtschaftliche Lage durch die 1815 bis 1817 herrschende Hungersnot und den „Sommer ohne Sonne“ 1816 mit Missernten in der Folge bewirkten eine Absage dieser Reise. Bald jedoch sollte eine Expedition im Namen des österreichischen Kaisers Franz I. nach Brasilien erfolgen, diese wurde später als „Natterer-Expedition“ (benannt nach dem österreichischen Zoologen Johannes Natterer) bekannt; zwei Plätze dieser Expedition wurden dem Königreich Bayern zugesprochen. Der bayerische König entsandt Johann Baptist von Spix und den Botaniker Carl Friedrich Philipp Martius. Im April 1817 fuhren sie mit zwei österreichischen Fregatten von Triest durch das Mittelmeer und über den Atlantik nach Rio de Janeiro, wo sie Mitte Juni ankamen. Die beiden Bayern trennten sich schon bald von der Gruppe und zogen erst südwärts bis Sao Paulo, dann gen Norden durch Belo Horizonte, Diamantina, Januária, dann westwärts ins trockene Landesinnere (nordöstlich von Brasilia), dann wieder ostwärts bis Salvador an der Atlantikküste. Von dort ausgehend gingen sie nochmals südwärts nach Ilhéus, kehrten aber wieder nach Norden, vorbei an Juazeiro, Oeiras und Caxias. Von Belém ausgehend starteten sie schließlich ihre Amazonasexpedition, wobei sie sich zeitweise auch trennten. Spix erreichte im Westen Tabatinga. Von den Hafengebieten sandten die beiden immer wieder gesammeltes Gut nach Bayern; bemerkenswerter Weise kamen alle Sendungen vollständig in der Heimat an. Spix hatte Schwierigkeiten bei der Präparation; es war nicht genügend Branntwein vorhanden und die Feuchtigkeit erschwerte das Trocknen von Sammelgut. Dennoch sind unzählige Objekte von ihm noch heute wichtiger und gut erhaltener Bestandteil der Zoologischen Staatssammlung München. Neben zoologischem und botanischem Material sammelten die beiden Naturforscher auch viel Material und Daten bezüglich der einheimischen Bevölkerung und Kultur. Nach vier entbehrungsreichen Jahren und geplagt von zahlreichen Tropenkrankheiten kehrten Spix und Martius 1820 zurück nach Bayern.

Im Anschluss an die Brasilienreise beschrieb Spix rund 600 Tierarten. 1823 wurde der erste von drei Bänden der Reisebeschreibung veröffentlicht. Spix verstarb am 13. Mai 1826, vielleicht an den Folgen verschiedener Tropenkrankheiten, während der Vorbereitungen des zweiten Bandes; die beiden letzten Bände wurden von Martius vollendet, auch auf Basis von Spix' Aufzeichnungen.

Quellen

  • Prof. Dr. Klaus Schönitzer: Naturwissenschaftliche Rundschau, Organ der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte; 64. Jahrgang, Heft 9, 2011, Seit 466-471.
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