Westblindmaus

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Westblindmaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: (Spalacidae)
Unterfamilie: Blindmäuse (Spalacinae)
Gattung: Nannospalax
Art: Westblindmaus
Wissenschaftlicher Name
Nannospalax leucodon
Nordmann, 1840

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Westblindmaus (Nannospalax leucodon) zählt innerhalb der Familie der Spalacidae zur Gattung Nannospalax. Weit verbreitet ist das Synonym Spalax leucodon. Im Englischen wird die Westblindmaus Lesser Blind Mole Rat bzw. Lesser Mole Rat genannt. Zu verwechseln ist die Art vor allem mit der Ostblindmaus, da sie sich im Habitus, der Lebensweise und dem Verhalten so sehr ähneln, sodass leicht eine Verwechslung stattfinden kann. Die Westblindmaus ist im direkten Vergleich rötlicher getönt und leichter. geht noch weiter...

Inhaltsverzeichnis

Abstammungsgeschichte

Nach Toepfer waren die Vertreter der Spalacidae auch im Pleistozän nicht viel weiter als heute in westlicher und nördlicher Richtung verbreitet. Die ältesten Vertreter dieser Familie, so beschrieben von Thenius und Hofer, sind aus dem Oligozän nachgewiesen. Die Gattung der Westblindmäuse (Nannospalax bzw. Microspalax) ist aus dem Pliozän bekannt. Eine ununterbrochene Abstammungslinie beginnend im Altpleistozän soll vermutlich bis zu den rezenten Arten in Europa führen.

Beschreibung

Anatomie

Die Körperoberseite ist rötlich- bis gelblichbraun. Ventral ist die Westblindmaus aschgrau gefärbt. Beiderseits am Kopf zieht sich ein kleiner weißer Streifen entlang. Bezogen auf das Körpergewicht herrscht zwischen Männchen und Weibchen ein Sexualdimorphismus, d.h. männliche Tiere sind schwerer und auch in der Konsequenz größer. Das Gewicht bei Westblindmäusen liegt zwischen 140 bis 220 Gramm. Die Kopf-Rumpf-Länge (KR) liegt zwischen 15 und 24 Zentimeter. Die Hinterfüße (HF) sind 19 bis 30 Millimeter lang. Die Condylobasallänge (CB; ab dem Vorderrand der Alveolen der Schneidezähne bis zu den Hinterhauptshöckern = condyli) beträgt 43,5 bis 55,6 Millimeter. Von 34 bis 44,3 Millimeter reicht die Jochbogenbreite (Zyg; zygomatische Breite). Der Kopf ist im Verhältnis zum Körper sehr groß und lateral abgeplattet. Beidseitig ist er mit einem Streifen verlängerter Borstenhaare ausgestattet, die als Tastorgan wirken. Das Fell ist weich und ohne Haarstrich, lässt sich also mit dem eines Maulwurfs vergleichen. Die Augen, von der Hautschicht überdeckt, sind soweit zurückgebildet, dass sie ihre Funktion verloren haben und von Fell überwachsen sind. Äußerlich sichtbare Ohren fehlen ebenfalls, und auch der Schwanz ist bei einer lebendigen Westblindmaus nicht erkennbar. Die Krallen sind zu „Grabnägeln“ entwickelt. Das Gebiss weist 16 Zähne auf. Die Zahnformel lautet I 1/1, C0/0, P0/0, M3/3, entspricht also dem typischen Nagetiergebiss. Das Paar ungefurchter Nagezähne (Incisivi), jeweils in Ober- und Unterkiefer, ist überdimensional stark und groß ausgebildet. Die Oberkiefernagezähne sind ca. fünf Millimeter breit. Die Zähne können individuell unterschiedlich gefärbt sein. Weibchen haben 3 Paar Zitzen.

Lebensweise

Zum Graben der Gangsysteme werden sowohl Zähne, als auch Grabnägel genutzt. Mit den Zähnen wird die Erde gelöst und mit den Hinterfüssen nach hinten weggeschoben oder auch mit dem kräftigen Kopf gegen die Gangwände gedrückt. Falls Hindernisse wie kleine Steine im Weg sind, werden diese mit den Zähnen gefasst und weg transportiert. Mit Hilfe ihrer Grabwerkzeuge schaffen Westblindmäuse die bei ihren Grabungen anfallende Erde an die Bodenoberfläche. Sie hinterlassen dort charakteristische große und flache Erdhaufen, die dem Beobachter ihr Vorkommen anzeigen. Die Baue sind weit verzweigt angelegt, verlaufen meist direkt unter der Erdoberfläche und sind ca. 100 Meter lang. Sie werden 1 bis 4 Meter tief gegraben. Es gibt Vorrats-, Abort- und ein bis zwei Nestkammern. Letztere sind mit einem großen Ruhenest (16 bis 20 Zentimeter im Durchmesser) aus weichen Wurzeln und weichem, getrockneten Gras ausgestattet. Die Gänge haben Durchmesser von 6 bis 9 Zentimeter. Neue Gänge werden ständig gegraben und alte verlassen. Die Individuen bewohnen jeweils einen eigenen Bau, sind also ungesellig. Westblindmäuse sind in der Lage diverse Laute von sich zu geben. Wird ein Tier bedroht, verteidigt es sich mit seinen starken Nagezähnen. Das Gehör, obwohl nicht von außen erkennbar, ist hoch sensibel. Westblindmäuse sind auch für schwache Erschütterungen empfindlich. Ihre Aktivität ist unabhängig von der Tageszeit, jedoch wurde besonders mittags und um Mitternacht eine hohe Aktivität nachgewiesen. Van den Brink und Haltenorth beschreiben, dass sich Westblindmäuse zuweilen an der Oberfläche sonnen, obwohl sie generell nur gelegentlich, und wenn nachts bzw. am frühen Morgen an die Erdoberfläche kommen. Oberirdisch sind die Tiere also selten zu beobachten. Es wird berichtet, dass sie, wenn dann geradlinig laufen und aufgrund ihres fehlenden Sehvermögens Kollisionen mit möglichen Hindernissen vorkommen. Die Art hat eine Lebenserwartung von 2 Jahren.

Unterarten

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u.a.

Um die Unterarten zu unterscheiden, wurden morphologische, als auch karyologische Untersuchungen angestellt. Neben fünf anderen morphologischen Merkmalen wurden z.B. die Alveolenkammern der oberen und unteren Molaren analysiert. [1] Es existieren scheinbar noch weit mehr Unterarten der Westblindmaus, jedoch wird hier nicht näher darauf eingegangen, weil aktuell daran geforscht wird. [2] [3] Aufgrund taxonomischer Unklarheiten und Diskussionen sind die Daten von der IUCN vorläufig als unzulänglich erklärt worden. Nach einer Revision des Taxons, was sich aller Voraussicht nach in mehrere Spezies aufspalten wird, dürften jedoch einige Arten als bedroht anerkannt werden. Nach Bailie und Groombridge wurde die Art 1996 als gefährdet aufgeführt.

Verbreitung

Bosnien, Bulgarien, Griechenland, Ungarn, Mazedonien, die ehemalige Republik Jugoslawien, die Republik Moldau, Montenegro, Rumänien, Serbien, Türkei und die Ukraine stellen das Verbreitungsgebiet dar. Ob die Art auch in Albanien heimisch ist, konnte noch nicht geklärt werden. Westblindmäuse und verwandte Arten kommen sowohl in Steppen, auf Wiesen, Weiden, als auch in Kulturland (Äckern und Obstpflanzungen) vor. Bis zu einer Höhe von 2400 Meter konnten sie nachgewiesen werden. Vermutlich durch ihre solitäre Lebensweise treten sie generell nicht als Schädling auf, können jedoch in Zwiebelpflanzungen beträchtlichen Schaden anrichten, da sie auf diese Nahrungsgrundlage spezialisiert sind, weshalb sie oft doch als Schädlinge betrachtet und auch wie solche behandelt werden.

Ernährung

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Vornehmlich ernähren sich Westblindmäuse von Wurzeln, Zwiebeln, Knollen, Pflanzenstängeln und Früchten, sie sollen aber auch Regenwürmer und Käferlarven nicht verschmähen, falls sie ihnen im Untergrund begegnen. Es werden das ganze Jahr über Vorräte angelegt, die mehrere Kilogramm groß sein können. Aus dem Spektrum der Kulturpflanzen werden oft Kartoffeln, Zwiebeln, Rüben, Karotten, Mais, sowie Petersilie gefunden.

Fortpflanzung

Zur Fortpflanzung gibt es leider wenige Untersuchungen. Die Paarungszeit liegt zwischen Januar und April. Die Paarung findet im Nest statt. Aufgrund der kurzen Lebensdauer bringt ein Weibchen wahrscheinlich nur einmal 1 bis 5 Junge pro Wurf zur Welt. Ob es mehr sein können, ist unbekannt. Die Jungen sind nackt und werden etwa 20 Tage lang gesäugt. Sie werden mit 6 Wochen selbstständig und ab dem 10. Monat fortpflanzungsfähig. Die vergleichsweise geringe Fortpflanzungsintensität scheint der Grund für eine weniger hohe Populationsdichte zu sein.

Parasiten

Spezies der Gattung Ornithonyssus
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Spezies der Gattung Ornithonyssus
folgt...

Prädatoren

Unter den Landraubtieren kommen Wald- und Steppeniltis, Rotfuchs und Mauswiesel neben Haushund und Hauskatze als Fressfeinde in Frage. Unter den Vögeln sind Uhu, Würgfalke, Mäusebussard und Adler der Westblindmaus gefährlich.

Gefährdung und Schutz

Die Bestände nehmen durch Monokulturen und Meliorationsmaßnahmen in der Landwirtschaft und Verfolgung sichtbar ab. Die Ausdehnung ihres Verbreitungsgebietes scheint zu schrumpfen. geht noch weiter...

Synonyme

Neben Nannospalax ist auch der Gattungsname Microspalax geläufig. Die Bezeichnung Microspalax beschrieb die Gattung Kleinblindmäuse. Als Synonyme für die Art treten auch bulgaricus (Savic and Soldatovic, 1984), dolbrogeae (Miller, 1903), ehiki (Petrov, 1991), epiroticus (Savic, 1982), hellenicus (Méhely, 1909), hercegovinensis (Méhely, 1909), hungaricus (Nehring, 1898), ilici (Petrov, 1992), insularis (Thomas, 1917), intermedius (Petrov, 1992), makedonicus (Soldatovic, 1977), martinoi (Petrov, 1971), montanoserbicus (Soldatovic, 1977), montanosyrmiensis (Soldatovic, 1977), monticola (Nehring, 1898), ovchepolensis (Soldatovic, 1977), peloponnesiacus (Ondrias, 1966), petrovi (Petrov, 1992), rhodopiensis (Savic and Soldastovic, 1984), serbicus (Méhely, 1909), sofiensis (Savic and Soldatovic, 1984), srebarnensis (Savic and Soldatovic, 1984), strumiciensis (Soldatovic, 1977), syrmiensis (Méhely, 1909), thermaicus (Hinton, 1920), thessalicus (Ondrias, 1966), thracius (Savic, 1982), tranensis (Savic and Soldatovic, 1984), transsylvanicus (Méhely, 1909), und turcicus (Méhely, 1913) auf.

Anhang

Literatur und Quellen

Links

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